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Ich heiße Tanja Salkowski. 2008 erhielt ich die Diagnose rezidivierende, mittelschwere Depression. Seitdem schreibe ich und rede darüber.

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Brain Fuck

16.01.2018

 

 

Da hat man 7 Wochen Klinik und fast 3 Jahre ambulante Therapie hinter sich. Und man glaubt, alles zu wissen und alles zu kennen und alles gelernt zu haben, was man nunmal so über sich lernen kann, wenn man die Diagnose Depression hat. Selbstreflexion vom Feinsten. Strategien entwickeln. Negative Dinge weglassen, positive zulassen. Achtsamkeit. Gute Ernährung. Bewegung. Stabiles, soziales Netzwerk. Gedankenmuster durchbrechen. Zulassen. Aushalten. Durchhalten. Weitermachen. Überleben. 

 

Das Leben wäre nicht das Leben, wenn es uns nicht immer und immer herausfordern würde. Klar, man könnte sich für immer und ewig verkriechen, um sich nie wieder den Ängsten stellen zu müssen. Wenn ich nicht rausgehe, wenn ich keinen Kontakt mehr habe, wenn ich mich verschließe - ja dann, dann kann mir ja nichts mehr passieren. Keine Verletzungsgefahr. Doch ist das wirklich sinnvoll? Ich kann mir Besseres vorstellen, als mich für ewige Zeiten, eingewickelt wie ein Kokon in meiner Bettdecke, in meinem Gedanken-Schlamm zu suhlen und die böse Welt zu verachten. Das hatte ich bereits jahrelang. Ist nicht gerade erstrebenswert. Irgendwann wird es mit diesen selbst auferlegten Mantras ja auch langweilig, oder? Verdammt, ja! Das Leben hat mehr zu bieten!

 

Also gilt es, sich wieder etwas zu trauen. Etwas, was man schon lange nicht getan hat. Wovor man vielleicht Angst hat. Womit man mal schlechte Erfahrungen gesammelt hat. Und es kann äußerst spannend sein, zu entdecken, wie man dem - nach den zahlreichen Therapien - heutzutage begegnet. Bin ich weiser geworden? Bin ich reflektierter? Bin ich cooler? Bin ich fit in der Seele, um das auszuhalten, was ich früher nicht aushalten konnte?

 

Manche Dinge gelingen nun besser in deinem Leben. Manches kannst du loslassen. Anderes nicht. Und dann kommen sie wieder hoch, die Ängste. Etwas triggert dich, dein Brain Fuck schaltet sich abrupt ein. Dieselben Muster, wie sie jahrelang bestehen, tauchen plötzlich wieder auf. Auch ein Therapeut konnte sie dir nicht nehmen. Zumindest nicht in der Zeit, in der du bei ihm auf der Couch lagst. Alles Theorie für die Katz.

Manche Ängste sind so fest in deiner Seele verankert, dass noch nichtmal der stärkste 

Presslufthammer dafür reichen würde, um sie ein für allemal loszuwerden. Und es fühlt sich an, als ob du einen Schritt nach vorne gegangen bist und zehn wieder zurück. Es fühlt sich nach Versagen an, nachdem du dir schon so viel Mühe gegeben hast. 

 

Dabei ist es keineswegs ein Rückschritt. Höchstens ein achtsames Erkennen, dass man eben in manchen Dingen noch nicht soweit ist. Aber das darf ok sein. Wie oft vergessen wir, was wir bisher schon alles in unserem Leben überstanden und "geleistet" haben. Wie viel wir bereits schon ausgehalten haben und welche schwierigen Wege wir bereits gegangen sind. 
Es geht darum, einen anderen Blickwinkel zu finden, auf das, was wir geschafft haben und nicht auf das, was wir nicht geschafft haben. Es geht darum, sich ab und zu mal auf die eigene Schulter zu klopfen und zu sagen: "Hey, ich bin stolz auf dich. Alles andere kommt mit der Zeit."

 

Und dann tasten wir uns Schritt für Schritt an die Ängste und Muster heran, die uns nach wie vor überrumpeln und uns schlaflose Nächte bereiten. Aber nun gibt es zwei Möglichkeiten, damit umzugehen: Entweder wir verabscheuen sie und klagen darüber oder wir nehmen sie dankend an und heißen sie herzlich in unserem Leben willkommen.

 

Die zweite Variante wird garantiert die schmerzvollste, aber auch die erfolgreichste sein. 

 

 

 


 

 


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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