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Ich heiße Tanja Salkowski. 2008 erhielt ich die Diagnose rezidivierende, mittelschwere Depression. Seitdem schreibe ich und rede darüber.

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Liebe und Depression - Geht das?

29.12.2017

 

 

Neulich fragte mich eine Leserin: "Sag mal Tanja, wie finde ich eigentlich als Depri-Kranke einen Partner?" Tja, wenn ich das nur wüsste...

 

Schließlich bin ich nicht gerade das beispielhafteste Vorbild einer Vollzeit-Depressionistin mit Liebeserfahrung. Nicht, dass ich ein Kind von Traurigkeit wäre. Nein-nein. Aber ja, ich muss gestehen, die letzten Beziehungen begannen oder endeten mit einer emotionalen Katastrophe. Und dann gab es noch eine Phase, in der ich mich ausnahmslos von jeglichen, angeflogenen Verliebtheitsansätzen distanzierte, geschweige denn anklopfende Verehrer auf fieseste Art in die Flucht trieb, weil ich das alles einfach nicht wollte. Höchstens ein kurzer Flirt war drin. Damit ich mich wieder spüre. Zu sehr mit mir selbst beschäftigt. Keinerlei Platz für Amourösitäten in meiner manchmal traurigen Welt.

 

Aber nicht, weil es mir nicht gut täte, sondern, weil ich mal wieder an den anderen denke. Denn wer möchte  schon mit einer depressiven Frau eine Beziehung eingehen? In der Liebe geht es doch vorrangig um Freude und Schmetterlinge, gemeinsam in einem Bett schlafen, gemeinsam aus einem Becherchen trinken, Zukunftspläne schmieden, verliebt aus allen Poren strahlen, völlige Hingabe, offene Herzen, die Tür zur Seele öffnen, Vertrauen, alle Seiten zeigen, Händchen halten, Nähe, Nähe, Nähe....oh Gott, Nähe! 

 

Und dann komme ich - mit meiner besten Freundin im Kopf. Und sie bremst mich manchmal aus und verbarrikadiert mein Herz. Keiner soll eindringen können. Sie stellt den Hebel dauerhaft auf Alarmstufe Rot. Sie ist skeptisch. Sie lässt kaum etwas zu, was mir vielleicht gut tun könnte. Und es kann passieren, dass sie sich abrupt mitten beim romantischen Candle-Light-Dinner oder beim Sex via Tränenmeer meldet. Und dann stehe ich da und muss es meinem Partner erklären - mich erklären. Und das fühlt sich kompliziert an. Nicht für mich, denn ich kenne sie ja schon seit Jahren. Aber der, der neben mir im Bett liegt - der bekommt die volle Breitseite des ganzen Dramas meines Lebens ab. Ungewollt und unvorbereitet.

Will ich ihm das wirklich antun? Er hat doch selbst Probleme. Ich will ihm das nicht auch noch aufbürden. 

 

Als ich meinen ersten Psychologen fragte, was ich denn tun könnte, damit es mir besser geht, antwortete er: "Verlieben Sie sich!" Wie bitte? Keine Pillen? "Wenn ich könnte würde ich Ihnen die Liebe auf Rezept ausstellen, aber die gibts ja leider in keiner Apotheke." Ich hielt es für einen Scherz, für eine Frechheit, für eine laienhafte, medizinische Betreuung. Ich bin tief depressiv und soll mich nur verlieben? Das ist alles?

In einem Artikel der ZEIT heißt es: "Wer depressiv ist, tut gut daran, sich schleunigst zu verlieben. Denn die Liebe schaltet Hirnregionen ab, die mit negativen Emotionen einhergehen – Angst, Trauer oder destruktive Aggression. Einer der Beweise: In einem Experiment brauchten Studenten nur das Foto ihrer Liebsten anzuschauen, und schon befanden sie sich in einem Zustand, als hätten sie ein Tütchen Kokain geschnupft."

 

Ich habe nach jahrelanger Therapie die Phase erreicht, in der ich annähernd weiß, wer ich bin. Und in der ich auch weiß, was ich nicht möchte - nämlich: Mich verstecken. Mein Schlüssel des Ganzen ist Authentizität. Wenn ich auf eine Party gehe und neue Menschen kennenlerne, verberge ich nicht, dass ich mich mit der Thematik Depression & Co. beschäftige, eben, weil ich sie selbst habe. Und dann gibt es diejenigen, die sich sofort umdrehen und gehen. Und dann gibt es diejenigen, die bleiben und Fragen stellen. Weil sie mich sehen und nicht meine Erkrankung. Ich bin Tanja und habe Depressionen - ich bin nicht die Depression. 

 

Letztendlich ist es egal, was ich habe oder nicht habe. Ich bin Mensch. Ich bin Frau. Ich darf auch lieben. Ich darf auch eine Beziehung führen. Ich darf mich lieben lassen. Letzteres setzt voraus, dass ich es zulassen kann. Das bedarf einiger Übungen, aber es lohnt sich, sich frei zu machen von seinen Ängsten. Hinausgehen und es wagen. Sich etwas trauen, was man lange nicht mehr getan hat. Mutig sein.

 

Wieviel Schönes passieren kann, wenn man einfach nur neugierig ist und eigene Grenzen überwindet. Und dann findet es dich, ohne, dass du bewusst danach suchst. Und entweder fühlt es sich gut an oder es geht in die Hose. Es ist egal, was letztendlich herauskommt. Es ist egal, ob dein Date ein absoluter Reinfall war oder der Himmel auf Erden. Wichtig ist, dass du du bleibst und zu dir stehst. Alle Menschen, die dich weiterhin begleiten, sind die Richtigen.

 

Und irgendwann ist darunter auch jemand, der dich - trotz deiner Depression oder gar wegen deiner Depression - mit Haut und Haaren lieben wird. Dann beginnt dein Kokain-Trip...

 


 

 


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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