© sonnengrau® by TANJA SALKOWSKI

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Ich heiße Tanja Salkowski. 2008 erhielt ich die Diagnose rezidivierende, mittelschwere Depression. Seitdem schreibe ich und rede darüber.

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Depressive Menschen sind nicht 24 h lang traurig!

27.09.2017

 

Neulich saß ich mit Sascha in einer Kneipe. Wir hatten uns schon lange nicht mehr gesehen. Als wir uns das letzte Mal in die Augen blickten, war ich gesund. Sascha verfolgte meine Geschichte, er wusste also von meiner Depression. "Ich hatte Angst, dir zu begegnen", sagte er. "Ich dachte echt, du wirst die ganze Zeit weinend vor mir sitzen." Stattdessen stellte er überraschend fest, dass ich lachen kann und umgänglich bin. 
Neulich hielt ich eine Lesung in Hamburg. Als ich mich zum Rauchen vor die Tür stellte, gesellte sich eine Dame zu mir, die zum Veranstaltungs-Team gehörte. "Sie sehen so fröhlich aus. So ganz anders. Also, man glaubt das ja gar nicht... ." Ich wusste, worauf sie hinaus wollte. "Wie sehen denn depressive Menschen für sie aus?", fragte ich. Außer einem "Ich weiß nicht" bekam ich keine konkrete Antwort. 
Neulich erhielt ich Post von einem sogenannten Hater. Er beleidigte mich mit jeder erdenklichen Wortkombination und war überhaupt nicht damit einverstanden, dass ich mich ordentlich kleide, mich schminke und ab und zu auf Pressefotos lache. "Sind sind gar nicht depressiv!", behauptete er. "Depressive können sowas doch gar nicht!". Abgesehen davon, dass ein fremder Mensch meine Krankheit in Frage stellt - eine Krankheit, die mich durch die Hölle geführt hat - fragte ich mich, womit er nun genau ein Problem hat. 
Alle drei Begegnungen haben eine gemeinsame Erkenntnis: Ich entspreche offensichtlich nicht dem Klischee. Einem Bild, dass sich viele in ihren Köpfen zusammen gepuzzelt haben - vielleicht aus diversen Filmen oder Zeitungsartikel. Vielleicht aus irgendwelchen Erzählungen.
Klar - frage ich google nach News mit der Thematik Depression erscheint zu 99% ein passendes Foto dazu: meistens schwarz-weiss, Mensch sitzt in der Ecke, Mensch vergräbt sich in seine Hände, Mensch senkt den Kopf, Mensch weint, Mensch kuckt äußerst traurig, Mensch ritzt sich die Arme auf, Mensch liegt verzweifelt im Bett.

Dass die Medien uns einiges vorgaukeln (bewusst oder unbewusst), ist nichts Neues. Dass Drama verkaufsfördernd ist, ist auch nichts Neues. Dass eine Schwarz-Weiß-Denke simpler ist, als die Zwischentöne zu betrachten, ist ebenso nichts Neues. 
Wer ist nun Schuld an dieser Misere? Die Vermittlung von falschen Informationen und Bildern. Die fehlende Aufklärung. Das Unwissen. Das eigene Schubladendenken. Vielleicht das alles zusammen?

Ich kann nur appellieren: Hört auf mit diesem Klischee-Denken! Informiert Euch selbst! Hört Betroffenen zu! Lest Bücher! 

Depression ist
1. verdammt individuell
2. kein Grund, nicht lachen zu dürfen


Ja, es gibt doofe Phasen. Ja, manchmal weine ich. Ja, manchmal bin ich verzweifelt. Ja, manchmal vergrabe ich mich. Ja, manchmal liege ich tagsüber im Bett.

Und an den anderen Tagen kann ich fröhlich sein, rausgehen, tanzen, arbeiten, mich schön finden, andere schön finden, lieben und leben.

Und ich habe verdammt nochmal das Recht dazu!

 

 

 

 

 

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