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Ich heiße Tanja Salkowski. 2008 erhielt ich die Diagnose rezidivierende, mittelschwere Depression. Seitdem schreibe ich und rede darüber.

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Warum Arbeit für depressive Menschen wichtig ist

19.09.2017

 

Zunächst brauchen wir eine Pause. Wir sind überfordert, gestresst und erdrückt vom Lärm um uns herum. Wir haben Angst vor Menschen, vor dem Versagen und vor uns selbst. Alles ist zu viel - alles fühlt sich leer an. Wir brauchen eine Pause, um runterzufahren. Um mal durchzuatmen und um zu analysieren, was uns fehlt und was uns in diese Situation hineingetrieben hat.

 

Ich kenne viele depressive Menschen (inklusive mir), die zunächst gar nicht in der Lage sind, morgens aufzustehen, um zur Arbeit zu gehen. Das ist schlichtweg nicht möglich und hat auf gar keinen Fall etwas mit Faulheit zu tun. Es bewegt sich einfach nichts - nicht der Körper und nicht der Kopf. Eine ordentliche Therapie muss her - sei es stationär oder ambulant. Für einen gewissen Zeitraum ist das nötig.

Der Schlüssel aller Therapien (vor allem die stationäre) ist Struktur. Ein Mensch mit Depressionen braucht mehr denn je einen regelmäßigen Alltagsablauf. Er braucht mehr denn je eine Aufgabe, um sich zu fühlen und um noch eine klitzekleine Verbindung zum Leben zu haben. Er braucht Kontakt zu Menschen. Er sollte nicht komplett aus seinem Arbeitsumfeld rausgerissen werden (vorausgesetzt seine Arbeit ist nicht der Auslöser seiner Depression). Er braucht Arbeit, um wieder stabil zu werden. Ich bin fest davon überzeugt: Je länger ein Mensch mit Depressionen zu Hause ist und nichts tut, desto tiefer wird seine Erkrankung. Es fördert das Gefühl der Nutzlosigkeit. Es verringert Selbstbewusstsein und stärkt Ängste.

 

Deswegen finde ich das System einer Teilkrankschreibung so unfassbar klug - so wie es die Schweizer tun. Ein Patient kann z.B. vom Arzt zu 50% krankgeschrieben werden. Für Menschen mit Depressionen kann das sehr hilfreich sein, ein paar wenige Stunden am Tag unter Kollegen zu verbringen und seine Arbeit zu machen. Wer immer wieder stundenweise in Kontakt mit seiner Arbeit und den Kollegen ist, bleibt nicht nur inhaltlich, sondern auch strukturell eingebunden. Auch in Skandinavien hat sich gezeigt, dass Teilkrankschreibungen den Wiedereinstieg erleichtern und für alle Beteiligten effizient sind.

Der Arbeitgeber verliert nicht zu 100% seine Arbeitskraft und der Patient verliert nicht zu 100% seine Aufgabe, die er braucht, damit es ihm wieder besser geht.

 

 

 

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© sonnengrau® by TANJA SALKOWSKI

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