© sonnengrau® by TANJA SALKOWSKI

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Ich heiße Tanja Salkowski. 2008 erhielt ich die Diagnose rezidivierende, mittelschwere Depression. Seitdem schreibe ich und rede darüber.

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Warum du jedem von deiner Krankheit erzählen solltest...

18.09.2017

 

Oft werde ich in meinen Lesungen gefragt, ob ich jedem von meiner Krankheit erzähle und wie dann die Reaktionen sind.

Ja, ich kenne das. Ich habe selbst fast 5 Jahre lang meinen Mund gehalten, obwohl ich bereits eine saftige Diagnose von mehreren Fachfrauen und -männer auf dem Papier stehen hatte. Und ja, ich fühlte diese Diagnose auch. Mir ging es schlichtweg einfach nur beschissen. Niemand durfte davon erfahren. Keine Silbe verließ meinen Mund. Ich hatte enorme Ängste vor Abwehr, Ignoranz und Unliebe. Nur, weil ich so war, wie ich gerade war, nämlich: nutzlos und kaputt.

 

Darum schwieg ich und spielte eine oskarreife Hauptrolle in „Die Glückliche“. Auffallen ist nämlich doof. Alle schauen dich an. Also schwamm ich lieber mit, statt blöde Blicke zu ernten. Immer weiter trieb ich hinaus und entfernte mich dabei von mir selbst. Und dann kam der Augenblick. Der, der vieles veränderte: Mein Outing! Weil ich keine Kraft mehr besaß, um weiter zu spielen. Weil es mich geradezu auslaugte und mir all meinen Saft zog, um mich oben zu halten. Weil ich diese verbrauchte Energie dringend für etwas anderes benötigte.

 

Also schrieb ich allen um mich herum eine lange Email und machte mich nackig: Von Diagnose bis Selbstmordversuch - schwarz auf weiß im Postfach liegend. Eine schonungslose Wahrheit direkt vor die Gesichter geknallt, die ich liebte. Worte können nicht beschreiben, welche gewaltige Angst in mir pochte, während ich auf den Senden-Button klickte.

Und dann passierte das, was vielen passiert: Einige meldeten sich umgehend bei mir und fragten, ob sie helfen könnten. Andere trauten sich endlich selbst aus ihrem Schneckenhaus und outeten sich bei mir, nur, weil ich es tat. Und der Rest hat mir bis heute leider nicht mehr geantwortet. Aber die habe ich wieder vergessen, denn die sind nicht mehr wichtig für mich.

 

Es gab einen Arbeitgeber, der von meiner Depression erfuhr und mich sofort aus dem Unternehmen feuerte (obwohl ich meinen Job gut gemacht habe). Es gab Menschen auf Partys, die sofort vor mir flüchteten, wenn ich erzählte, was ich beruflich mache. Und es gab Vermieter, die mir keine Wohnung geben wollten, weil sie mich vorher googelten. Ja, solche Situationen gab es und gibt es immernoch. Aber warum eigentlich?

 

Ich habe dies hinterfragt und letztendlich festgestellt: Es ist das Unwissen. Gut - manchmal auch, weil jemand stets als Arschloch durchs Leben rennt, dem man eh nichts mehr beibringen kann. Aber meistens entstehen solche Situationen, weil die Menschen nicht aufgeklärt sind und Informationen fehlen.

Darum müssen wir es hinausschreien, dass es das gibt, was wir haben. Wie sich das anfühlt, was es mit uns macht und welche Ängste wir in uns tragen. Was uns bewegt, worüber wir nachdenken und warum wir nachts nicht schlafen können. Wie das ist, wenn man an das Lebensende denkt, woher unsere Wut kommt und was uns im Leben einfach nur fehlt. Wir müssen es erzählen, so oft es geht. Wir müssen authentisch sein, damit wir keine Kraft verlieren, sondern sie auftanken. Wir müssen den Mund aufmachen, um uns und anderen helfen zu können. Und um etwas zu verändern, damit wir keine Angst mehr haben.

Damals dachte ich, ich mache mich angreifbar, wenn ich alles von mir preisgebe. Heute weiß ich, dass mir keiner mehr was kann, weil ich zu meinem Sein stehe.

Du wirst vielleicht deinen Job verlieren, weil du ehrlich bist.

Du wirst vielleicht Freunde verlieren, weil du ehrlich bist.

Du wirst es vielleicht schwer haben, neue Kontakte zu knüpfen, weil du ehrlich bist.

Aber du wirst stärker sein und endlich du sein - weil du ehrlich bist.

 

 

 

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